Vita Ludwig von Schwanthaler

Das Leben und Schaffen des Ludwig Michael von Schwanthaler

Ludwig Michael von Schwanthaler (1802 – 1848) war ein bedeutendes Mitglied der Münchener Bildhauer-Familie Schwanthaler und herausragender Vertreter des deutschen Klassizismus. Seine Arbeiten, ob Skulpturen, Plastiken und Reliefs zählen zu den wichtigsten Werken des 19. Jahrhunderts – in der Residenzstadt München als auch im Bayerischen Königreich und in anderen Fürstentümern Deutschlands. Persönlich hatte er eine große Vorliebe für (verklärtes) Rittertum und Poesie, war glühender Anhänger der romantischen Strömung seiner Zeit und hat selbst einige Gedichte in dieser Stilrichtung verfasst.

Am bekanntesten ist wohl die Bavaria auf der Theresienhöhe in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schwanthalerhöhe. Aber auch die Siegesgöttinnen in der Befreiungshalle Kelheim sowie zahlreiche monumentale Denkmäler deutscher Fürsten, Dichter und Denker in vielen deutschen und österreichischen Städten zählen zu seinen wichtigsten Werken. Leider wurde das Schwanthaler Museum in der heutigen Schwanthaler Straße im 2. Weltkrieg zerstört und nicht wiederaufgebaut. Die dortige Sammlung (auch mit vielen Skizzen und Modellen) ging teilweise verloren oder wurde auf andere Museen in München verteilt.

Als Referenz an den Namensgeber des Stadtteils und des FORUM SCHWANTHALERHÖHE sind in verschiedenen Bereichen des Shopping-Quartiers FORUM SCHWANTHALERHÖHE ausgewählte Beispiele seines Schaffens grafisch modern interpretiert in die Raumgestaltung integriert worden, so zum Beispiel im Service-Center, in den Mutter-Kind-Räumen und in den Parkhaus-Foyers.

Ludwig von Schwanthaler.

VITA

Um Ihnen Ludwig Michael von Schwanthaler und sein Schaffen etwas näher zu bringen, finden Sie nachfolgend seinen Lebenslauf und eine chronologische Auswahl seiner wichtigsten Werke. Die mit * versehen Werke sind im FORUM Schwanthalerhöhe als Teil der Wandgestaltung zu entdecken.

1802

Ludwig Michael Schwanthaler wird am 6. August 1802 als Sohn des Bildhauers Franz Jakob Schwanthaler und seiner Frau Klara in München geboren.

1818

Abschlusszeugnis vom 29. Dezember 1818 für die humanistische Schulung auf dem Wilhelmgymnasium in München mit herausragender Beurteilung.

1819

Am 29. Oktober 1819 Einschreibung auf der Akademie der Bildenden Künste in München. Während des Studiums Mitarbeit im elterlichen Bildhaueratelier nach Tode des Vaters 1820 und Übernahme durch den Onkel Anton Schwanthaler.

1822

Abschluss der akademischen Ausbildung mit Zeugnis vom 26. November 1822. Beginn der eigenständigen Arbeit im Atelier an der Prannerstraße (im 2. Weltkrieg zerstört).

1823

Erste öffentliche Ausstellung mit Plastiken aus Gips.

1824

Erster Auftrag des königlichen bayerischen Hofes (für einen Tafelaufsatz; unvollendet). Bis zu seinem Tod sollten zahlreiche weitere Aufträge folgen.

1826

Auftrag zur Ausgestaltung der Glyptothek in München, des bedeutendsten Kunstbauprojektes zu dieser Zeit. Erster Auftrag durch Ludwig I. von Bayern. Gestaltung von zahlreichen Wandreliefs. Erste Italienreise nach Rom ab 3. Oktober 1826 verbunden mit einem dreijährigen königlichen Stipendium.

1827

Vorzeitige Rückkehr aus Rom nach München, teils aus Unmut über die dortige Ausbildung, aber auch auf Grund der ungewöhnlich frühen Erkrankung an Gicht.

Ludwig von Schwanthaler im Alter von 26 Jahren

 

1829

Zahlreiche weitere Aufträge, so z.B. plastische Arbeiten für den Königsbau der Residenz in München (Vorzimmer, Empfangszimmer, Ankleidezimmer, Thronsaal) bis 1834.

1832

Zweite Italienreise ab Mitte Oktober 1832 (Rom, Florenz, evt. auch Neapel) bis März 1834. Auftrag und Beginn der Arbeiten für die Giebelskulpturen der Walhalla bei Regensburg.

1835

Ernennung zum Professor der Bildhauerklasse in der Akademie der Bildenden Künste zu München, was in der damaligen Zeit für einen Künstler von 33 Jahren sehr ungewöhnlich war. Internationale Anerkennung und Aufträge aus ganz Europa: vom Zaren für St. Petersburg, aus Schweden, Prag und Devonshire. Bau und Bezug von drei größeren Ateliers in der Lerchenstraße, heute Schwanthalerstraße 2-4. Zeitweise arbeiten bis zu 50 Schüler und Mitarbeiter dort. Xaver Schwanthaler (sein Vetter) leitet und beaufsichtigt das Atelier und verhandelt die Verträge mit den Auftraggebern.

1836

Auftrag zur Gestaltung der Giebelfiguren für das Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz in München.

 

1837

Bavaria in München

*Auftrag zur Gestaltung und Herstellung der „Bavaria“ auf der Theresienwiese in München. Die Bavaria war seit der Antike die erste Kolossalfigur (Höhe 15,75 m) und beeinflusste (in abgewandelter Form) auch die Gestalt der Freiheitsstatue in New York. Die Bavaria ist das Hauptwerk von Schwanthaler und Abwendung von griechisch-antiker Formensprache hin zu „deutsch-germanischen“ Entwürfen. Die Entwurfsarbeiten dauern bis 1843, die Fertigstellung bis 1850. Nach 1837 schuf Schwanthaler zahlreiche weitere Plastiken, so z.B. Götterfiguren und Tänzerinnen für die Residenz in Wiesbaden.

1837

Deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes (Gicht) und mehrere Kuraufenthalte. Schwanthaler konnte nicht mehr Hammer und Meissel halten und führte bis zu seinem Tod ausschließlich Zeichnungen und kleine Modelle aus Gips aus. Sein Atelier übernahm die Umsetzung in Originalgröße aus Stein oder Bronze.

1837 – 1843

Entwürfe für verschiedene Denkmäler (Auszug):

Großherzog Ludwig I. von Hessen in Darmstadt

Johann Wolfgang von Goethe in Frankfurt

 

Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg

Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth in Erlangen

Großherzog Carl Friedrich von Baden in Karlsruhe

Des weiteren: Kaiser Franz I. in Eger, Ernst I., Herzog zu Sachsen-Coburg und Gotha in Coburg, Jean Paul Friedrich Richter (Dichter) in Bayreuth.

1840

Vertrag und Entwürfe für das Denkmal am Donau-Main Kanal in Erlangen. Die Fertigstellung erfolgt bis 1845.

1842

„Venus mit der Sandale“ in der Burg Grünwald bei München

 

*Die lebensgroße Marmorfigur „Venus mit der Sandale“ stammt aus dem Besitz der Kronprinzessin Olga von Württemberg und befindet sich im Museum Burg Grünwald bei München.

1843 – 1848

Siegesgöttinnen in der Befreiungshalle, Kelheim

*32 übergroße (3,30 m) Siegesgöttinnen (Victorien) zur Ausgestaltung des Innenraumes der Befreiungshalle in Kelheim. Entwürfe und kleine Entwurfsmodelle sowie große Modelle aus Gips entstehen zu Lebzeiten. Die Ausführung und Aufstellung der Statuen erfolgt erst 1861 – 63 nach dem Tod Schwanthalers.

1844
Beginn der Entwurfs-Arbeiten an der Brunnenanlage auf der Freyung in Wien: „Austria-Brunnen“. Der Brunnen wird 1846 offiziell enthüllt.

1845

*Die „Nymphe“ für das Schloss Anif bei Salzburg“ entsteht als Entwurfsmodell aus Gips. 1846 wird die Statue in Marmor gehauen und steht heute im Bayerischen Nationalmuseum. Eine Münchener Fassung wurde 1847 angefertigt und steht heute im Bayerischen Nationalmuseum, München. Fertigstellung der Figur „Melusine“ für das Schloss Hohenschwangau. *„Venus mit Kind“ auch „Venus entwaffnet Amor“ ist eine Plastik aus Marmor, die im Bayerischen Nationalmuseum steht und Schwanthaler zugeschrieben wird. Es kann sich aber auch um eine Arbeit seines Ateliers sein, da keine Entwurfszeichnungen von ihm hierzu auffindbar waren.

1846

Entwurf der Skulptur „Jäger und Nymphe“ für das Schloss Chatsworth in Devonshire. 1848 wird die Statue in Marmor gehauen. Sie ist sein letztes eigenhändig geschaffenes Werk.

1848

Ludwig Michael Schwanthaler stirbt am 14. November 1848 in München.

AUSSERDEM: Wir haben eine Statue des Vaters von Ludwig Schwanthaler Franz Jacob Schwanthaler als Referenz an die Künstler-Familie aufgenommen.

1803

*„Harmlos“ ist eine im Volksmund so genannte Statue in der Grünanlage des Prinz-Carl-Palais nahe dem Englischen Garten in München und ein Werk von Franz Jacob Schwanthaler. Sie stellt eigentlich Antinoos, einen Günstling und vermutlich Geliebten des römischen Kaisers Hadrian dar. Nach seinem Tod wurde er zum Gott erklärt und verehrt. Die Originalstatue steht heute im Residenz-Museum München.